Geriatrische Rehabilitation

Die Geriatrische Rehabilitation am Standort Schongau besteht seit 1998. Pro Jahr werden rund 500 geriatrische Patienten von einem multiprofessionellen Team unter der Leitung von Chefarzt Dr. Hans-Christian Sänger betreut.

Die Schongauer Geriatrie verfügt über 29 Betten und einen eigenen Therapie-Pavillon mit angeschlossenem Garten. Seit April 2015 ist die Geriatrische Rehabiliation Teil des Zentrums für Altersmedizin der Klinik Schongau.

Was ist ein geriatrischer Patient?

Ein geriatrischer Patient ist meist über 65 Jahre alt, hat ein hohes Risiko für Gebrechlichkeit und mehrere Erkrankungen gleichzeitig. In der Fachsprache spricht man von Multimorbidität.

Solch ein multimorbider Patient hat Anspruch auf Rehabilitation, wenn Rehabilitationsbedürftigkeit, Rehabilitationsfähigkeit, Rehabilitationswilligkeit und eine positive Rehabilitationsprognose ärztlich bestätigt werden. Voraussetzung ist, dass Patienten soweit stabil und belastbar sind, um aktiv an den rehabilitativen Therapien teilzunehmen.

Zu den Behandlungsschwerpunkten der Geriatrischen Rehabiliation Schongau gehören:

  • Folgen altersbedingter Gefäßerkrankungen (Schlaganfall, Herzinfarkt sowie zerebrale und periphere Durchblutungsstörungen)
  • Folgen schwerer internistischer Allgemeinerkrankungen ( Diabetes, Lungenentzündung)
  • Neurologische Erkrankungen ( z.B. Morbus Parkinson)
  • Folgezustände nach Operation insbesondere nach Knochenbrüchen, Amputationen oder auch künstlichem Gelenkersatz
  • Degenerative und entzündliche Erkrankungen des Bewegungsapparates (z.B. Rheuma, Osteoporose, Arthrose)

Zu Beginn der Aufnahme findet eine ärztlich Aufnahmeuntersuchung statt. Dabei werden unterschiedliche Tests (Geriatrisches Assessment) durchgeführt. Aus der Aufnahmeuntersuchung heraus wird in Absprache mit dem Team ein Rehabiliationsplan für jeden Patienten erstellt. Dieser kann sich aus logopädischen, ergotherapeutischen, physikalischen und physiotherapeutischen Therapien zusammensetzen.

Geriatrische Rehabilitation an der
Klinik Schongau
Marie-Eberth-Str. 6
86956 Schongau
Telefon 08861 215-339 (Sekretariat)
Telefax 08861 215-335

Therapieangebote

Einzeltherapien:

  • Bobath-Konzept (bei neurologischen Patienten, insbesondere nach Apoplex)
  • Entspannungskonzepte, z.B. nach Jacobson
  • funktionelle Bewegungslehre
  • Konzept Dr. Brügger (bei degenerativen Erkrankungen der Wirbelsäule, nach WS-Operationen, aber auch bei pathologischen oder unökonomischen Bewegungsmustern)
  • Manuelle Lymphdrainage (auch Leistung der Physikalischen Therapie)
  • Manuelle Therapie (bei Gelenkserkrankungen z.B. Arthrose, Gelenksblockierungen, in der Behandlung von Kontrakturen und nach Frakturen)
  • Sturzprävention
  • Medizinische Trainingstherapie
  • PNF-Konzept (propriozeptive neuromuskuläre Facilitation) bei Störungen mit neurologischen / muskulären Komponenten
  • Traktionsbehandlung/ Schlingentischtherapie

Gruppentherapien:

  • Allgemeine Mobilisation
  • Atemgruppe
  • Entspannungsgruppe
  • Körperwahrnehmungsgruppe
  • Kraftgruppe obere Extremitäten
  • Kraftgruppe untere Extremitäten
  • Rollstuhltraining

Einzeltherapien:

  • Alltagsorientiertes Training (ADL: activities of daily living)
  • computergestütztes Hirnleistungstraining
  • Einkaufstraining (hauseigener Kiosk)
  • Esstraining
  • haushaltstechnische Anleitungen
  • Hilfsmittelberatung
  • Kognitives Training
  • Neuropsychologisches Training
  • Tests zur Verkehrssicherheit
  • Wahrnehmungstraining
  • Wasch- und Anziehtraining
  • Wohnraumberatung

Gruppentherapien:

  • Kreativgruppe
  • Feinmotorikgruppe
  • Grobmotorikgruppe
  • Hirnleistungstraining
  • Gedächtnistraining
  • Haushaltstraining
  • Hirnleistungstraining
  • Kochgruppe
  • TEP-Schulung
  • Werkgruppe
  • Atemtechniken
  • Lagerungen/ Dehnungen
  • Einsatz von Kälte/Wärmetherapie (Eis, Fango, Rotlicht, Heiße Rolle, Moorpackungen)
  • Elektrotherapie (Reizstrom, TENS)
  • Entspannungstherapien (ätherische Öle, Musik etc.)
  • klassische Massagetechniken
  • Aromatherapie
  • Lichttherapie
  • Lymphdrainage
  • medizinische Bäder (Heublumen-, Melisse-, Rosmarinbad, Quarkwickel, evtl. Senfwickel)
  • Phonotherapie (therap. Ultraschall)
  • spezielle Massagetechniken wie: Colonmassage, Periostmassage, Bindegewebsmassage

Assessment-Tests

Lachs-Index

Ist der Patient ein typischer geriatrischer Patient? Bestehen viele Einschränkungen gleichzeitig?

Timed up and go Test

Wie lange benötigt der Proband für folgende Aufgabe: Ausgehend vom Sitzen auf einem Stuhl mit Armlehne. Aufstehen, mit normalem und sicherem Gang bis zu einer Linie (auf dem Boden) in drei Meter Entfernung laufen, sich dort umdrehen, wieder zurück zum Stuhl gehen und in die Ausgangsposition hinsetzen.

Tinetti-Test

Die Aufgabe enthält einen Balancetest und eine Gehprobe.

Barthel Index

Essen und Trinken, Baden/Duschen, Körperpflege, An- und Ausziehen, Stuhlkontrolle, Harnkontrolle, Benutzung der Toilette, Bett- /Stuhltransfer, Mobilität (selbstständiges Gehen bzw. Fahren mit Rollstuhl), Treppensteigen.

Mini Mental State Examination und DEMTECT

Getestet wird u.a. die zeitliche und räumliche Orientierung, Merk- und Erinnerungsfähigkeit, Aufmerksamkeit, Sprache und Sprachverständnis, außerdem Lesen, Schreiben, Zeichnen und Rechnen, intellektuelle Flexibilität und Aufmerksamkeit

Geriatric Depression Scale

Sie erhalten 15 persönliche Fragen zum subjektiven Erleben der aktuellen Lebenslage.

Herr Mayer geht in die Reha

Damit sich Patienten und Angehörige einen Eindruck von dem Aufenthalt bei uns machen können, stellen wir anhand des Patienten Herrn Mayer beispielhaft dar wie der Weg in die Reha und der Aufenthalt bei uns ist.

Herr Mayer ist Witwer, 80 Jahre alt und hat seit vielen Jahre Diabetes und Bluthochdruck. Hinzu kommt ein altersbedingter Gelenkverschleiß. Vor einigen Wochen ist er morgens in seiner Wohnung gestürzt und hat sich dabei den Oberschenkelhals gebrochen. Mit dem Notarztwagen kam er ins nächstgelegene Krankenhaus. Dort wurde er operiert und konnte schon recht bald mit der Frührehabilitation beginnen.

Beantragung der Reha

Bereits wenige Tage nach seiner Operation kam eine Mitarbeiterin des Sozialdienstes zu Herrn Mayer und bot ihm an, eine Reha für ihn zu beantragen. Herr Mayer hatte schon von seinem behandelnden Arzt gehört, dass es sinnvoll wäre, im Anschluss an den Aufenthalt in der Akutklinik einige Wochen in die stationäre Reha zu gehen. Denn dort könne Herr Mayer unter Aufsicht und in Ruhe wieder Sicherheit auf beiden Beinen erlangen, um in seine Wohnung zurückzukehren. Der Arzt hatte ihm die Geriatrische Rehabilitation empfohlen. Denn diese sei spezialisiert auf Patienten seines Alters.

Sein Rehaziel

Nach zehn Tagen war es dann soweit. Vom Akutkrankenhaus wechselte Herr Mayer in die Geriatrische Rehabilitation. Herr Mayer war mittlerweile in der Lage eine kurze Strecke auf Krücken zurückzulegen. Er hatte sich auch vom ersten Schock erholt, die der Sturz mit sich gebracht hatte. In der ersten Woche im Krankenhaus ging es ihm nicht so gut. Er machte sich viele Gedanken, ob er wieder  in seine Wohnung zurückkehren könnte. Die Dame vom Sozialdienst hatte ihm Mut gemacht und darauf hingewiesen, dass in der Geriatrischen Rehabilitation gerade darauf hingearbeitet wird. Er war also motiviert, die dreiwöchige Reha zu absolvieren. Es ging schließlich darum, den Alltag wieder zu Hause zu meistern.

Zu Beginn ein paar Tests

In der Geriatrie angekommen, bezog Herr Mayer sein Zimmer. Gleich am ersten Tag führten die Ärzte und Therapeuten ein sogenanntes Geriatrisches Assessment mit Herrn Mayer durch. Ziel war, sich ein umfassendes Bild von seinem Gesundheitszustand, seinen kognitiven Fähigkeiten, seinem sozialen Umfeld sowie seiner allgemeinen Stimmungslage zu machen. Herr Mayer beantworte also Fragen zu seiner aktuellen Lebenslage, machte Tests zur räumlichen und zeitlichen Orientierung, berichtete von seinen bestehenden chronischen Erkrankungen und den Medikamenten, die er täglich zu sich nimmt und führte unter anderem vor, wie gut er sich auf Krücken schon fortbewegen konnte.

Einzel- und Gruppentherapien

Das Team erstellte daraufhin für Herrn Mayer einen individuellen Rehabilitationsplan, der sich aus Einzeltherapien und Gruppentherapien zusammensetze. Dabei handelte sich beispielsweise um physiotherapeutische Angebote, die ihn weiter in seiner Mobilität fördern sollten. Auf dem Stundenplan standen aber auch Angebote aus der Ergotherapie. Hierzu zählten beispielsweise ein alltagsorientiertes Training und die Wohnraumberatung. Besonders gefielen ihm Gruppenangebote. Es gab schließlich genügend Mitpatienten, die in einer ähnlichen Situation wie er waren. Zeit zum Austausch gab es vor allem zu den Essenszeiten. Gegessen wurde im Speisesaal. An dem einen oder anderen Tag während seines dreiwöchigen Aufenthaltes, war es Herrn Mayer aber auch mal danach auf dem Zimmer zu essen und nebenbei sein Fernsehprogramm zu verfolgen. Das war auch kein Problem, denn es war den Patienten freigestellt, wo sie ihren Mahlzeiten einnehmen wollten.

Auf dem Weg nach Hause

Als die drei Wochen zur Neige gingen, hatte Herr Mayer viel gelernt. Vor allem die Tipps aus der Sturzprävention wollte er in seiner Wohnung umsetzen. Apropos seine Wohnung: in die konnte er jetzt nach insgesamt fünf Wochen Krankenhausaufenthalt – zwei Wochen Akuthaus, drei Wochen Reha – wieder zurückkehren. Auch über seinen anderen Erkrankungen hatte er viel Neues erfahren, u.a. dass sich nicht alle Medikamente, die er nahm, miteinander vertrugen. Die Ärzte hatten ihm daher einen neuen Medikamentenplan erarbeitet, der gut funktionierte. Und natürlich galt es, den Kontakt zu einigen seiner Mitpatienten zu halten, um sich weiter auszutauschen. Mal sehn – in ein paar Wochen, wenn er sich wieder in seiner Wohnung „eingelebt“ hatte, würde er einem Mitpatienten vielleicht einen Besuch abstatten. Mit der Bahn war es ja nicht so weit.

Impressionen aus der Therapie

Unsere Ansprechpartner

Dr. Hans-Christian Sänger

Chefarzt Geriatrische Rehabilitation

Telefon 08861 215-0
E-Mail: h.saenger@kh-gmbh-ws.de

Sandra Buchner

Stationsleitung Geriatrie

Telefon 08861 215-334
E-Mail: s.buchner@kh-gmbh-ws.de

Birgit Noack

Therapieleitung KH-GmbH Weilheim-Schongau

Telefon 08861 215-343
E-Mail: b.noack@kh-gmbh-ws.de