Akutgeriatrie

Liebe Patientin und lieber Patient,

alt werden bedeutet manchmal, sich vielen Herausforderungen stellen zu müssen. So nimmt die Mobilität ab, es kommt zur Abnahme der Selbsthilfefähigkeit, im schlimmsten Fall zu einem Verlust der Selbständigkeit. Häufig bestehen mehrere Krankheiten gleichzeitig, die den funktionellen Zustand nochmals verschlechtern können.

Die Akutgeriatrie als Teil der Altersmedizin befasst sich mit genau diesen Problemen und richtet sich an diejenigen Patienten, welche eine

  • akute Erkrankung entwickelt haben, und dadurch
  • Ihre Selbsthilfefähigkeit / Mobilität verloren haben

 

Akute Erkrankungen können z.B. sein:

akute Herz- oder Nierenschwäche, Infektionen wie Lungen- oder Blasenentzündungen, neurologische Erkrankungen wie Schlaganfälle oder M. Parkinson, Blutdruck- oder Blutzuckerentgleisungen. Aber auch eine postoperative Betreuung z.B. nach Frakturen kann den Heilungsprozess unterstützen und z.T. verkürzen.


Ziel der Akutgeriatrie ist es:

  • Überwindung der akuten Erkrankung
  • Wiederherstellung bestmöglicher Selbsthilfefähigkeit
  • Verhinderung von Abhängigkeiten
    (z.B. Seniorenheim)

 

Hierfür steht ein Team aus verschiedenen Berufsgruppen zur Verfügung, welches durch einen multiprofessionellen Ansatz alle Bedürfnisse betagter, akut erkrankter Patienten abdeckt.

Im Folgenden möchte ich Ihnen unser Team kurz vorstellen:

Akutgeriatrie

Speziell geschulte Ärzte – die Geriater – sind die Spezialisten für die Behandlung sehr alter Menschen. Denn der Organismus eines 90-Jährigen funktioniert anders als der eines 30-Jährigen. Wegen der komplexen Situation älterer Patienten nutzen Geriater zusätzlich zu den klassischen ärztlichen Untersuchungsmethoden das geriatrische Assessment, um alterstypische Mehrfacherkrankungen, körperlich- funktionelle Defizite, aber auch mentale und psychische Probleme sowie das soziale Umfeld des Patienten abzubilden.

Auf Grundlage dieser Ergebnisse kann der Arzt die multiprofessionelle Therapie planen und überprüfen. Das Ziel des Geriaters ist es, die geriatrischen Patienten zu identifizieren, dem funktionellen Abbau und der Beeinträchtigung des gesamten Organismus entgegenzuwirken und das bisherige Niveau an Autonomie zu erhalten oder wiederherzustellen.

Im Zentrum unserer Pflege steht der ältere Mensch mit seinem Selbstpflegebedarf, seinen Lebensaktivitäten und funktionellen Gesundheitsverhaltensmustern. Treten in diesen Bereichen Störungen oder Verluste auf, setzen wir mit der aktivierenden therapeutischen Pflege dort an, wo fachliche Pflege erforderlich ist. Wir fördern aktiv und kompensieren den Handlungsablauf der Selbstpflege.

Die Alltagskompetenzen zu erhalten oder wiederherzustellen unter Miteinbezug der pflegenden Angehörige verleihen unseren Patienten das Gefühl der Zugehörigkeit, Unabhängigkeit und Sicherheit. Wir laden unsere Patienten ein, die Teilhabe am sozialen Leben aufrechtzuerhalten durch aktiven Mittagstisch, Veranstaltungen oder Schulungsangebote. Somit nehmen wir aktiv Einfluss auf Gesundheit und Wohlbefinden unserer Patienten.

Gemeinsam und zielorientiert setzten wir im interdisziplinären Team die aktivierende Pflege um und berücksichtigen somit die Selbstbestimmung unserer Patienten und den Respekt und Würde vor dem Alter.

Wir werden Ihnen helfen, wieder zu Ihren eigenen Kräften zu finden. Dabei sind unsere Therapieangebote perfekt aufeinander abgestimmt und individuell für Sie ausgewählt. In engster Zusammenarbeit arbeiten Physiotherapeuten und Ergotherapeuten an Ihrem Bett und sind für Sie auf der Station direkt ansprechbar.

Auf Grundlage international anerkannter Verfahren werden Ihre aktuellen Fähigkeiten, Einschränkungen und besonders auch Zielvorstellungen erfasst. Wir berücksichtigen dabei Ihre Gewohnheiten, Persönlichkeitsmerkmale, Biographie und Ihr gewohntes soziales Umfeld. Entsprechend wird für Sie dann ein passender, individueller Behandlungsansatz besprochen und sinnvolle Therapiemaßnahmen werden festgelegt. Durch unsere engmaschige, fachgerechte Begleitung und unser alltagsorientiertes Training werden Ihre vorhandenen Fähigkeiten täglich trainiert und weiter ausgebaut.

Sie werden angeleitet ihre eigenen Stärken und Grenzen zu erkennen, Risiken zu vermeiden und mehr Sicherheit im Alltag zu erlangen (z.B. Training zur Sturzprophylaxe). Ihre Angehörigen werden wir bei Bedarf und auf Anfrage gerne in unsere Therapie miteinbeziehen. Für Fragen rund um die Themen z.B. Training, Hilfsmittelversorgung, Angehörigenanleitung, Wohnraumanpassung, ambulante therapeutische Versorgung etc. kommen Sie bitte direkt auf unsere Therapeuten zu.

Therapieleistungen

  • Physiotherapeutische und ergotherapeutische Einzelbehandlung
  • Ausgewählte Kleingruppenangebote
  • Klassische Massageformen
  • Spezialmassagen z.B. Lymphdrainage, Colonmassage
  • Kompressionstherapie
  • Tapetechniken
  • Wärme- und Kältepackungen
  • Elektrotherapie
  • Logopädische Diagnostik und Therapie
  • Beratung und Schulung von Ihnen und Ihren Angehörigen

Logopädie unterstützt bei Schluckstörungen, die im Rahmen des Alterungsprozesses oder bei bestimmten Erkrankungen auftreten können. Nach eingehender Diagnostik kann durch eine passende Kosteinstufung und mit entsprechenden Kräftigungsübungen das Risiko einer Mangelversorgung, aber auch einer Entzündung der Lunge verringert werden. Angehörige können in die Therapie miteinbezogen werden und Beratung für die sichere Nahrungsaufnahme und die Auswahl der geeigneten Speisen erhalten.

Auch bei Sprachstörungen (Aphasien) und Sprechstörungen wird in der logopädischen Therapie versucht, durch aktive Übungen die Sprach- und Sprechfähigkeit zu verbessern. Das Ziel ist, die Verständigungsmöglichkeiten so gut es geht wiederherzustellen, um die aktive Teilhabe am Leben und die Lebensqualität zu verbessern.

In der  Neuropsychologie werden diagnostische Gespräche mit Testungen durchgeführt um Krankheiten wie Demenz, Depression, Schlaganfälle abzuklären. Zur Verbesserung von Kognition und Sehvermögen ist ein Training möglich, z.T. auch am PC. Zusätzlich werden psychologische Gespräche angeboten zur Unterstützung der Krankheitsbewältigung, oder auch bei Depressionen und Angst.

Unser Sozialdienst hilft Ihnen vom ersten Tag des Aufenthaltes an bei:

  • der Organisation der weiteren ambulanten oder stationären Versorgung
  • Beantragung von Pflegegrad
  • Beratung zu sozialen Leistungen
  • Info zur Vorsorgevollmacht
  • Organisation der Palliativversorgung und, und und….

Die Seelsorge an kranken Menschen gehört zum Auftrag einer diakonischen Kirche. Ist der Körper krank so leidet auch die Seele. Der Mensch in seiner Ganzheitlichkeit leidet. So treten auch existentielle und religiöse Fragen auf. Das Interesse an Religiosität ist spürbar. Die Seelsorge in der Akutgeriatrie ist herausgefordert, die christliche Botschaft in eine angemessene, verstehbare Sprache zu fassen und in Gebet und Sakramenten zu vollziehen. Die Seelsorge steht im Dialog mit dem Behandlungsteam im Krankenhaus. In Kooperation mit anderen Disziplinen bringt die Seelsorge die heilende Kraft des christlichen Glaubens zur Sprache und leistet somit einen kompetenten Beitrag in der Begleitung von Patienten/innen.

Ihnen lieber Leserinnen und Leser

wünscht das gesamte Team der Akutgeriatrie eine langanhaltende Gesundheit bis ins hohe Alter hinein.

Für den Fall, dass Sie doch einmal medizinische Hilfe und Fürsorge benötigen, freuen wir uns Ihnen ab Oktober 2017 nicht nur im KH Schongau sondern auch im KH Weilheim unsere Dienste anbieten zu können.

Alles Gute für Sie Ihr

Sebastian Mühle und Team
Chefarzt Akutgeriatrie

Klinik Schongau
Akutgeriatrie
Telefon 08861 215-439 (Sektretariat)
Fax 08861 215-443
E-Mail: Sekretariat Akutgeriatrie

Sebastian Mühle

Chefarzt Akutgeriatrie

Klinik Schongau

Therapieimpressionen

Vier Fragen zur Akutgeriatrie

Wieso brauchen ältere Menschen eine besondere Ansprache?

Patienten über 65 Jahren haben oft (>60%) eine Vielzahl von Erkrankungen, wir sprechen hier von Multimorbidität. Gefragt ist daher ein ganzheitlicher, immer auch begleitend rehabilitativer Therapieansatz, denn ältere Patienten sind immer auch gefährdet, im Zuge eines langen Krankenhausaufenthaltes ihre Mobilität und Selbstständigkeit zu verlieren.

So wie bei einem „gastroenterologischen Patienten“ die Behandlung in der Regel von einem Gastroenterologen koordiniert wird, sollte bei einem „geriatrischen Patienten“ der Geriater mit seinem spezialisierten Pflege- und Therapeutenteam die Behandlung koordinieren.

Was bewirkt eine geriatrische Schwerpunktsetzung?

Die Geriatrisch-Innere Medizin ist sehr funktionsorientiert, rehabilitativ und multiprofessionell aufgestellt. Das Team plant mit dem Patienten auch die Zeit über den Akutkrankenhausaufenthalt hinaus. Dafür bestehen enge Kooperationen mit anderen akutmedizinischen Schwerpunktabteilungen sowie mit Rehabilitationseinrichtungen.

Seit wann gibt es geriatrische Abteilungen?

Als Vater der Geriatrie gilt der Österreicher Ignaz Nascher. Er veröffentlichte bereits 1909 im New York Medical Journal, dass Alterskrankheiten einen separaten Platz in der Medizin einnehmen sollten. Ein Geriater sollte ähnlich einem Pädiater, der für Krankheiten im Kindesalter zuständig ist, sich um das Feld der Erkrankungen des älteren Menschen sorgen. Nascher lebte in den USA. Von dort kam Ende des zweiten Weltkrieges die Idee der geriatrischen Medizin auf Europa über. Dr. Marjorie Warren aus Großbritannien forderte 1943 alle diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten auch älteren, chronisch kranken Bürgern zugänglich zu machen, um Immobilität, Bettlägerigkeit, Inkontinenz und intellektuellen Abbau angemessen untersuchen und behandeln zu können.

In den 1950er Jahren folgten dann die Skandinavier, Niederländer und die Schweizer.

In Deutschland gründete Prof. Dr. René Schubert aus Nürnberg 1966 die Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie. Der erste Lehrstuhl für Geriatrie wurde Anfang der siebziger Jahre an der Universität Erlangen-Nürnberg eingerichtet. 1967 entstand nach angelsächsischen, skandinavischen und schweizer Vorbildern die erste geriatrische Abteilung im Ev. Krankenhaus Gesundbrunnen in Hofgeismar. 1980 öffnete in Hamburg die erste Geriatrische Rehabilitationsklinik ihre Pforten.

Mittlerweile hat jedes Bundesland sein eigenes Geriatriekonzept.

Wie viele Geriatrien bzw. Akutgeriatrien gibt es in Bayern?

Es gibt in Bayern knapp 70 von Geriatern geleitete Geriatrische Rehabilitationseinrichtungen. Die Akutgeriatrie hat es in kürzester Zeit auf über 50 Abteilungen an bayerischen Krankenhäusern gebracht. Zusammengenommen verfügt die Akutgeriatrie in Bayern aktuell über 1300 Betten. Dazu gehören auch unsere Betten in Schongau.

Ihre Ansprechpartner

Dr. Nushin Utmishi-Mühle

Oberärztin Akutgeriatrie

Klinik Schongau

Lolita Hönig

Stationsleitung Akutgeriatrie

Klinik Schongau

Birgit Noack

Therapieleitung KH-GmbH Weilheim-Schongau

Klinik Schongau

Informationen zum Nachhören