Akutgeriatrie

Die relativ am stärksten Wachsende Bevölkerungsgruppe im Landkreis Weilheim-Schongau sind die Menschen  im Alter zwischen 80 und 90 Jahren. Für sie gilt es adäquate und wohnortnahe medizinische Versorgungskonzepte zu schaffen. Das Zentrum für Altersmedzin ist die Antwort der Krankenhaus GmbH auf den demografischen Wandel. Unter seinem Dach befinden sich die Geriatrischen Rehabilition mit 29 Betten und die Akutgeriatrie mit 20 Betten.

Die Geriatrie ist wie die Gastroenterologie oder Kardiologie ein Teilgebiet der Inneren Medizin. Neben der bekannten Diagnostik und Therapie auf Abteilungen der Inneren Medizin wie Labor, Ultraschall, Röntgen, CT, Kernspin oder Endoskopie verfügt die Akutgeriatrie über einen weiteren wichtigen Baustein: die Behandlung im therapeutischen Team mit spezialisierter Pflege, Physiotherapie, Ergotherapie, Sozialarbeit, Neuropsychologie und Logopädie vom ersten Tag an.

Zu Beginn der Unterbringung in der Akutgeriatrie steht ein Orientierungsassessment, das bei Aufnahme der Patienten durchgeführt wird. Dabei werden Patienten ab dem 70. Lebensjahr u.a. befragt wie es um ihre Mobilität und ihren Hilfebedarf steht. Erfüllt der Patient dann die Kriterien eines geriatrischen Patienten ist die Unterbringung auf der Akutgeriatrie möglich.

Stehen jedoch zum Zeitpunkt der Aufnahme im Krankenhaus organmedizinische Komplikationen im Vordergrund, die eine fachspezifische Intervention oder Operation erforderlich machen, so hat diese selbstverständlich Priorität. Eine Verlegung in die Akutgeriatrie ist dann erst nach Stabilisierung möglich. Eine konsiliarische Mitbehandlung erfolgt jedoch generell von Anfang an.

Eine wichtige Komponente nehmen vom ersten Tag die Angehörigen ein. Sie können dem Team um Chefarzt Sebastian Mühle viele Informationen geben z.B. über die Zeit vor dem Krankenhausaufenthalt und über das Wohnumfeld. Ziel ist die bestmögliche Wiederherstellung der Mobilität und Selbstständigkeit als Voraussetzung der Rückkehr in die eigenen vier Wände.

Alle akutgeriatrische Patienten erhalten eine koordinierte Entlassplanung. Hierbei werden sie vom Sozialdienst der Klinik unterstützt. Dieser kommt direkt ans Patientenbett und hilft beispielsweise bei der Vermittlung von ambulanten Hilfen oder der Beantragung einer Rehamaßnahme.  Patienten haben die Möglichkeit nach ihrem Aufenthalt in der Akutgeriatrie in die Geriatrische Rehabiliation zu wechseln. Der Aufenthalt in der Akutgeriatrie dauert in der Regel 14 Tage.

Es stehen Ein- und Zweibettzimmer mit angeschlossenem Patientenbad zur Verfügung. Auf dem Stationsflur befinden sich behindertengerechte Duschen. Alle Zimmer sind nach Süden ausgerichtet und gewähren einen schönen Blick auf die Schongauer Altstadt. Die Patienten haben die Möglichkeit ihre Mahlzeiten im Zimmer oder im Speisesaal der Akutgeriatrie einzunehmen.

Klinik Schongau
Akutgeriatrie
Telefon 08861 215-439 (Sektretariat)
Fax 08861 215-443
E-Mail: Sekretariat Akutgeriatrie

Vier Fragen zur Akutgeriatrie

Wieso brauchen ältere Menschen eine besondere Ansprache?

Patienten über 65 Jahren haben oft (>60%) eine Vielzahl von Erkrankungen, wir sprechen hier von Multimorbidität. Gefragt ist daher ein ganzheitlicher, immer auch begleitend rehabilitativer Therapieansatz, denn ältere Patienten sind immer auch gefährdet, im Zuge eines langen Krankenhausaufenthaltes ihre Mobilität und Selbstständigkeit zu verlieren.

So wie bei einem „gastroenterologischen Patienten“ die Behandlung in der Regel von einem Gastroenterologen koordiniert wird, sollte bei einem „geriatrischen Patienten“ der Geriater mit seinem spezialisierten Pflege- und Therapeutenteam die Behandlung koordinieren.

Was bewirkt eine geriatrische Schwerpunktsetzung?

Die Geriatrisch-Innere Medizin ist sehr funktionsorientiert, rehabilitativ und multiprofessionell aufgestellt. Das Team plant mit dem Patienten auch die Zeit über den Akutkrankenhausaufenthalt hinaus. Dafür bestehen enge Kooperationen mit anderen akutmedizinischen Schwerpunktabteilungen sowie mit Rehabilitationseinrichtungen.

Seit wann gibt es geriatrische Abteilungen?

Als Vater der Geriatrie gilt der Österreicher Ignaz Nascher. Er veröffentlichte bereits 1909 im New York Medical Journal, dass Alterskrankheiten einen separaten Platz in der Medizin einnehmen sollten. Ein Geriater sollte ähnlich einem Pädiater, der für Krankheiten im Kindesalter zuständig ist, sich um das Feld der Erkrankungen des älteren Menschen sorgen. Nascher lebte in den USA. Von dort kam Ende des zweiten Weltkrieges die Idee der geriatrischen Medizin auf Europa über. Dr. Marjorie Warren aus Großbritannien forderte 1943 alle diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten auch älteren, chronisch kranken Bürgern zugänglich zu machen, um Immobilität, Bettlägerigkeit, Inkontinenz und intellektuellen Abbau angemessen untersuchen und behandeln zu können.

In den 1950er Jahren folgten dann die Skandinavier, Niederländer und die Schweizer.

In Deutschland gründete Prof. Dr. René Schubert aus Nürnberg 1966 die Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie. Der erste Lehrstuhl für Geriatrie wurde Anfang der siebziger Jahre an der Universität Erlangen-Nürnberg eingerichtet. 1967 entstand nach angelsächsischen, skandinavischen und schweizer Vorbildern die erste geriatrische Abteilung im Ev. Krankenhaus Gesundbrunnen in Hofgeismar. 1980 öffnete in Hamburg die erste Geriatrische Rehabilitationsklinik ihre Pforten.

Mittlerweile hat jedes Bundesland sein eigenes Geriatriekonzept.

Wie viele Geriatrien bzw. Akutgeriatrien gibt es in Bayern?

Es gibt in Bayern knapp 70 von Geriatern geleitete Geriatrische Rehabilitationseinrichtungen. Die Akutgeriatrie hat es in kürzester Zeit auf über 50 Abteilungen an bayerischen Krankenhäusern gebracht. Zusammengenommen verfügt die Akutgeriatrie in Bayern aktuell über 1300 Betten. Dazu gehören auch unsere Betten in Schongau.

Ihre Ansprechpartner

Sebastian Mühle

Chefarzt Akutgeriatrie

Klinik Schongau

Lolita Hönig

Stationsleitung Akutgeriatrie

Klinik Schongau

Birgit Noack

Therapieleitung KH-GmbH Weilheim-Schongau

Klinik Schongau

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